Mittwoch, 10. August 2011

Deutsches Lohndumping sprengt die Währungsunion

Maßvolle Tarifabschlüsse, mehr Wettbewerbsfähigkeit:

Das deutsche Modell, durch jahrelange Lohnzurückhaltung die Marktposition zu verbessern, gilt als Vorbild für EU-Staaten wie Griechenland.

Falsch, sagt Ökonom Heiner Flassbeck.

Das deutsche Lohndumping sei schuld daran, dass die Währungsunion nun vor einer Zerreißprobe stehe.

Von einem harten Sparkurs ist die Rede, einer schmerzhaften Rosskur.

Nur durch eisernes Sparen und Lohnverzicht könne Griechenland den Staatsbankrott abwenden und seine Finanzen in den Griff bekommen.

Der Weg werde steinig und schwer, führe aber zum Erfolg.

Vorbilder für den griechischen Patienten sind schnell bei der Hand.

Die Iren zum Beispiel, die im vergangenen Jahr drastische Lohneinbußen hingenommen haben. Und die Deutschen, deren Reallöhne in den vergangenen zehn Jahren gesunken sind, weil sich die Tarifpartner auf maßvolle Lohnabschlüsse geeinigt haben.

Genau diesen Kurs setzen die Deutschen jetzt fort, mit einem Miniplus in der Metallindustrie, mit angekündigten Sozialreformen, einer erregten Diskussion um den Sozialstaat und mit einer Schuldenbremse, die die öffentlichen Finanzen ab 2011 in einen Schraubstock zwingt.

Diese deutsche Bescheidenheit ist für eine wachsende Zahl von EU-Staaten aber nicht die Lösung, sondern das Problem.

"Haben kein Problem mit Griechenland, sondern mit Deutschland"

"Wir haben kein Griechenlandproblem, sondern ein Deutschlandproblem", sagt Heiner Flassbeck, Chefökonom bei der UN-Organisation für Handel und Entwicklung (Unctad) in Genf. Sein Vorwurf: Durch systematisches Lohndumping grabe Deutschland den anderen EU-Staaten Marktanteile ab. Als einzige große Volkswirtschaft der Währungsunion habe die Bundesrepublik ihren globalen Marktanteil zwischen 2000 und 2010 stabilisiert, während die anderen dramatisch verloren haben.